Civic Design neu betrachtet: Eine kurze Geschichte der Parksysteme

Die in diesem Essay vorgestellten Projekte veranschaulichen die historische Bedeutung von Parksystemen, geben Aufschluss über die Herausforderungen, mit denen Gemeinschaften heute konfrontiert sind, wenn sie zeitgemässe Parks anlegen, und fördern die Neubewertung der generationenübergreifenden Disziplin des «Civic Design».

1778 – Park an der Ilm, Weimar (F. L. Güssefeld): Dieser früheste bekannte Plan des Parks zeigt die Verbindungen der benachbarten Areale und offenbart die gemeinsame Morphologie verschiedener Massnahmen. Er veranschaulicht auch, dass der erste Schritt beim Entwurf des Parksystems, das zuvor durch Siedlungen auseinandergerissen war, auf der Einführung eines Raumkontinuums zwischen den Ökosystemen basierte. © Klassik Stiftung Weimar

Bereits vor dem industriellen Programm der Stadtplanung (Urban Design), das ganz allgemein für Technologie und Wirtschaft warb, gab es das gesellschaftliche Programm der Gestaltung im öffentlichen Raum (Civic Design), das für Ökologie und Gemeinschaft sorgte. Dieser Beitrag präsentiert einen chronologischen Überblick über die Entwicklung des Civic Design und der Arbeit an seiner zentralen Ausprägung: die Schaffung regionaler Parksysteme.

Durch die Abfolge historischer Projekte über einen Zeitraum von drei Jahrhunderten hinweg werden Parksysteme in zehn Städten zueinander in Beziehung gesetzt und miteinander verglichen. In diesem Zusammenhang werden zwei wichtige Entdeckungen gemacht: ein bislang unbekanntes Parksystem von Frank Lloyd Wright, das dieser für seine Heimatgemeinde Spring Green in Wisconsin entworfen hatte (1942) – was einer gebauten Version seiner Broadacre-Pläne für «The Living City» (1934–1958) am nächsten kommt –, und Frank Lloyd Wright Juniors unveröffentlichtes multimodales Parksystem für Los Angeles County (1962).

Weimar: Von privaten Gärten zu öffentlichen Parks

1778 – Der Park an der Ilm von Goethe und Herzog Carl August
Die Schaffung des Parks an der Ilm war ein Prozess, der in engem Zusammenhang mit Goethes Leben und Wirken in Weimar stand, und liefert das erste in historischen Dokumenten nachweisbare Beispiel für ein bewusst geplantes öffentliches Parksystem. Der Park an der Ilm wurde als Landschaftspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestaltet und soll direkt von Goethes Besuch im Gartenreich Dessau-Wörlitz im Jahr 1776 angeregt worden sein. Diese Parkanlage, die auch als Englischer Garten von Wörlitz bekannt ist, hatte einen solch gewaltigen Einfluss auf Goethe, dass er seine Aufmerksamkeit im Anschluss der Landschafts-, Park- und Gartengestaltung zuwandte.1 Im gleichen Jahr schenkte Herzog Carl August dem Dichter ein kleines Haus mit zugehörigem Garten am Nordostufer des sich durch die Landschaft schlängelnden Flusses Ilm, das heute als Goethes Gartenhaus bekannt ist. 1778 hatten Goethe und der Herzog dann die Schaffung des Parks an der Ilm geplant – ein 48 Hektar grosser, kilometerlanger Parkabschnitt entlang des Flusses am östlichen Rand von Weimars Altstadt. Dieses Stück war in der Tat das fehlende Bindeglied zwischen zwei bereits existierenden Parks – dem Schlosspark Belvedere im Süden und dem Schlosspark Tiefurt im Norden. Durch die Verbindung dieser beiden Schlossparks mit dem am Fluss gelegenen Park war das grundlegende Prinzip von Parksystemen eindrücklich begründet. Die Schaffung von fehlenden Bindegliedern zwischen existierenden Parks oder Teilen von Parks ist eine der wesentlichen Gestaltungsmassnahmen bei der Anlage von Parksystemen, und wir werden ihr im Lauf dieses chronologischen Überblicks an vielen Stellen wiederbegegnen.

Die ersten Erschliessungsmassnahmen auf dem Gelände des Parks an der Ilm unternahm man 1778 an einem felsigen Abhang im Westen. Danach wurden die Wege angelegt, Bäume und Pflanzen gesetzt, Sitzgelegenheiten installiert sowie Monumente, Brücken, künstliche Ruinen und andere Parkarchitekturen errichtet – alle im Stil eines englischen Gartens. Im Laufe der Zeit wuchs das Parksystem an, und man schuf weitere, bislang fehlende Bindeglieder, um andere alte Palastgärten wie etwa den Sterngarten und den Welschgarten anzugliedern. Diese Gärten wurden neu gestaltet und zusammen mit dem östlichen Talhang sowie der Flussaue bis nach Oberweimar in die Anlage integriert, was schliesslich zu einem durchgehenden Parksystem führte. Heute ist es im Osten über 10 Kilometer lang und reicht bis zum Gutspark Ossmannstedt (1797), im Süden dehnt sich die Anlage fast 30 Kilometer bis zum Schlosspark Kochberg (1800) und im Nordwesten 12 Kilometer bis zum Schlosspark Ettersburg (1814) aus.

Die Erweiterung des Parks verlangsamte sich 1828 mit dem Tod Carl Augusts. Das Parksystem wurde im Anschluss zwar weiterhin instand gehalten, doch seine direkten Verbindungen zur umliegenden Landschaft büsste es ein. Mit der Übernahme des Parks durch die «Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur» im Jahr 1970 wurden umfangreiche Wiederherstellungs-, Erhaltungs- und Pflegearbeiten durchgeführt. Seit 1998 ist der Park eine Stätte des Unesco-Weltkulturerbes.

1723 – Luftansicht des Parksystems von Stowe (C. Bridgeman): Vergleicht man das Parksystem von Stowe mit dem relativ formlosen Park an der Ilm, dann veranschaulicht der Blick aus der Vogelperspektive seine strenge Gestaltung. In späteren grossen Parksystemen verstärkten sich diese beiden Ausprägungen, die historisch als konkurrierend gelten, gegenseitig. © Oxford Library
1739 – Parksystem von Stowe, Kupferstich (J. Rigaud, S. Bridgeman): Der früheste bekannte Plan der Gesamtanlage stammt aus dem Jahr 1739. Obwohl er dem berühmten französischen Kupferstecher Jacques Rigaud zugeschrieben wird, wurde er ein Jahr nach Bridgemans Tod von dessen Witwe Sarah Bridgeman signiert. Leider ist über ihre Rolle heute nur noch wenig bekannt. © National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty
1829 – Londons Grüngürtel (J. C. Loudon): Eines der frühesten Beispiele für das Konzept des Grüngürtels zeigt dieser Plan, der als Illustration zu Loudons 1829 erschienenem Essay «Hints for Breathing Places for the Metropolis, and for Country Towns and Villages, on fixed Principles» publiziert wurde. © Public Domain

London: Territorialfiguren

1713–1780 – Der Landschaftsgarten von Charles Bridgeman und John Vanbrugh in Stowe
Der englische Landschaftsgarten wurde lange als der Ort betrachtet, wo das in der Renaissance und im Barock vorherrschende klassische Architektursystem aufgelöst ist und bestimmte Ideen, die man als «modern» bezeichnen kann, erstmals auftauchten: Die Landschaftsgärten in Stowe im englischen Buckinghamshire bilden ein typisches Beispiel hierfür.2; Sie wurden 1713 vom englischen Gartengestalter Charles Bridgeman (1690–1738) und dem Architekten John Vanbrugh (1664–1726) begonnen, deren Zusammenarbeit bis 1730 andauerte. Unter den ersten Zeichnungen von Stowe ist Charles Bridgemans Luftansicht aus dem Jahr 1723 mit ihrer das Gelände wiedergebenden axialen Anordnung besonders bemerkenswert. Der früheste bekannte Plan der Gesamtanlage datiert auf 1739, ein Jahr nach Bridgemans Tod, und wird dem berühmten französischen Kupferstecher Jacques Rigaud zugeschrieben, obwohl er eigentlich von der Witwe Sarah Bridgeman signiert ist. Man weiss nur wenig über ihre tatsächliche Funktion, doch angesichts der Erstellung dieses Generalplans sowie der fortgesetzten Einbeziehung in die Projekte ihres Mannes ist es wahrscheinlich, dass sie wesentlich stärker involviert war als angenommen. Trotz des Erfolgs ihrer Arbeit sowie der Funktion Charles Bridgemans als Gärtner von König George II. und Königin Caroline, die er ab 1728 innehatte, starb sie fünf Jahre nach ihrem Mann in Armut.3 Ungeachtet dessen hat die neue Freiheit bei der Behandlung von Wasser, Boden und Pflanzen – welche die Natur und Kultur durch künstlich geschaffene Geometrien und bestehende natürliche Bedingungen miteinander verwebt – die Sensibilität der Umwelt gegenüber, die sich bald abzeichnen sollte, sowie die damit einhergehenden aufkeimenden gesellschaftlichen Werte ganz klar vorweggenommen.

1829 – Das London von Loudon
John Claudius Loudon (1783–1843) war ein schottischer Botaniker, Gartenplaner und erfolgreicher Autor, der seine Laufbahn wie Humphry Repton (1752–1818) und Frederick Law Olmsted ( 1822–1903) mit der Land- und Weidebewirtschaftung begann. Er war ein Kind der schottischen Aufklärung, und die gesellschaftlichen sowie ökologischen Ambitionen seiner Arbeit als Autor und Gestalter trugen zur Popularisierung und Demokratisierung des Gartenbaus bei.4 Mit der Veröffentlichung seines Werks «The Encyclopaedia of Gardening» erlangte Loudon 1822 kommerzielle Popularität, und seine Vision der Möglichkeit einer nachhaltigen Planung von Londons Grünanlagen wurde in seiner 1829 erschienenen Schrift «Hints for Breathing Places for the Metropolis» illustriert.5 Er hatte die Vorstellung, dass das Wachstum der Städte durch die Einbeziehung von Grüngürteln behutsam gestaltet und der Verkehr beeinflusst würden – ein Aufgabenbereich, den er als «Landschaftsarchitektur» beschrieb. Dieser Begriff war erst kurz zuvor vom schottischen Landwirt und Geschäftsmann Gilbert Laing Meason (1769–1832) geprägt worden, der Landschaftsarchitektur als Aufgabe von öffentlichem Interesse definierte und schrieb: «Die Öffentlichkeit insgesamt hat einen Anspruch auf die Architektur des Landes.»6

Liverpool: Ein neuer Blick auf das Civic Design

1847 – Der Birkenhead Park von Joseph Paxton
Der Birkenhead Park wurde von Joseph Paxton (1803–1865) geplant – einem englischen Gärtner, Architekten und Parlamentsmitglied, der für seinen Entwurf des Kristallpalasts zur Weltausstellung in London Berühmtheit erlangte. Die allgemein als The People’s Park bekannte Anlage öffnete am 5. April 1847 ihre Tore und gilt weithin als der erste öffentlich finanzierte Park der Welt.7 Das Projekt schuf einen wichtigen Präzedenzfall für die wechselseitigen Finanzierungsverfahren städtischer Parks, die im Vorgriff auf die Entwicklung der Stadt angelegt wurden. Man verkaufte Grundstücke am Rand des geplanten Parks, um dessen Bau zu finanzieren, wobei der Park selbst wiederum den Anreiz für die öffentlichen Investitionen bot.8 Unter den frühen Protagonisten von Parks war auch der scharfsinnige Landschaftsarchitekt Frederick Law Olmsted, der damals als Korrespondent der «New York Times» arbeitete. Olmsted besuchte 1850 direkt nach seiner Ankunft im Hafen von Liverpool den Park, der ihm acht Jahre später konzeptionell wie praktisch als Modell für den von ihm entworfenen Central Park dienen sollte. In seinen Berichten für die «New York Times», die er später in seinem Buch «Walks and Talks of an American Farmer in England» gesammelt veröffentlichte, reflektierte er die gesellschaftlichen und ästhetischen Werte, die ihm The People’s Park eröffnet hatte:

(…) fünf Minuten der Bewunderung und noch etwas mehr verbrachte ich damit zu beobachten, wie man die Kunst angewandt hatte, um aus der Natur so viel Schönheit zu erzielen, und ich war bereit anzuerkennen, dass es im demokratischen Amerika nichts gab, was mit diesem People’s Garden vergleichbar gewesen wäre (…).9

1909 – Patrick Geddes und das Civic Design: Die erste Planungsschule
1909 wurde die weltweit erste Planungsschule in Liverpool gegründet – einer Stadt, deren frühe Industrialisierung wohl der Auslöser dieses zukunftsweisenden Akts war. Civic Design liess das Programm, das von Charles Herbert Reilly (1874–1948) und Stanley Davenport Adshead (1868–1946) erdacht worden war. Beide waren Mitarbeiter von Patrick Geddes, einem Universalgelehrten, der heute allgemein als Grossbritanniens erster Ökologe gilt und sich auf die Evolution der Städte konzentrierte. schon bald etablierte man an den modernsten Schulen auf beiden Seiten des Atlantiks Programme zum Civic Design, die ihr Augenmerk auf Parksysteme legten, so etwa an der University of Pennsylvania, am Virginia Polytechnic, in Yale, am MIT, wo Civic Design vom Schweizer Wissenschaftler Siegfried Giedion gelehrt wurde, sowie in Harvard, wo niemand Geringerer als Frederick Law Olmsted Junior das Programm einführte.10 Die School of Civic Design wurde in einem Gebäude untergebracht, das als Bluecoat Chambers an der School Lane bekannt wurde. 1716 als Armenschule errichtet, ist es das älteste heute noch erhaltene Haus in Liverpool.11 Zu den ersten von der Schule ausgehenden Initiativen gehörte die Gründung der «Town Planning Review» im Jahr 1910, einer einflussreichen Zeitschrift, die immer noch zu den weltweit führenden Organen für städtische und regionale Planung gehört.12

1843 – The People’s Park, Birkenhead (J. Paxton) Joseph Paxton, der Gestalter des Birkenhead Parks, der allgemein als erster öffentlich finanzierter Park der Welt gilt, ist vor allem für seinen Entwurf zum Kristallpalast für die Weltausstellung im Hyde Park in London bekannt (1851). Dabei erwiesen sich seine Entwürfe für Parks und Gärten als gleichermassen einflussreich. © Birkenhead Park Archives
1905 – «American Park Systems: Report of the Philadelphia Allied Organizations» (A. W. Crawford): Der Bericht von Andrew Wright Crawford stellt eine systematische grafische Darstellung von dreissig existierenden Parkanlagen seiner Zeit und ihren geplanten Erweiterungen dar. Seite für Seite werden Territorialfiguren von Parksystemen abgebildet. © Library of Congress

Parkbewegung: Die Erfindung des Parksystems

1905 – Amerikanische Parksysteme von Crawford
Andrew Wright Crawford (1873–1929) war der Sekretär der Philadelphia Allied Organizations, eines Zusammenschlusses verschiedener Bürgervereinigungen der Stadt. In dieser Funktion stellte er einen Bericht vor, der hauptsächlich aus zum Vergleich nebeneinander präsentierter Pläne von existierenden Parksystemen in 30 nordamerikanischen Städten bestand. In seiner Einführung schreibt Crawford:

Diese [Parksystem-]Bewegung, die sich in den letzten Jahren einen deutlichen Fortschritt sichern konnte, hat zu bemerkenswerten Ergebnissen geführt. Die Parksysteme sind in manchen Städten fast vollendet, in anderen zur Hälfte fertiggestellt. In wieder anderen wie unserer eigenen, wo die Parks zwar an sich schön, jedoch den Erfordernissen einer Stadt, die bei Weitem über sie hinausgewachsen ist, nicht angemessen sind, hat das Ergänzen um sorgsam ausgewählte Gebiete und die Verbindung der verstreuten Parks zu einem System gerade erst begonnen (…).13

Den ganzen Bericht hindurch geht Crawford gewissenhaft auf organisatorische Probleme ein, während er gleichzeitig die regionalen Bedingungen hervorhebt, durch die sich die einzelnen Systeme voneinander unterscheiden. Und der stetige Rhythmus, mit dem man Seite für Seite den Territorialfiguren von Parksystemen begegnet, übt eine seltsam eindringliche und kraftvolle Wirkung aus. Man kann leicht verstehen, dass Crawfords grafische Methode Skeptiker vom Nutzen der Parksysteme überzeugen konnte. Einer der bemerkenswertesten Belege für die Bedeutung von Crawfords Bericht war das Buch, dass der Pariser Landschaftsarchitekt Jean Claude Nicolas Forestier (1861–1930) als Reaktion darauf schrieb: «Grandes Villes et Systèmes de Parcs» (1906).14 Forestiers Buch erweitert Struktur und Format von Crawfords «American Park Systems», wobei er auf Parksysteme als «das nordamerikanische Modell» verweist.

1907 – Das Parksystem der Geschwister Kessler für Cincinnati
Fredericka Antoinette Louisa Kessler (1863–1951) und ihr Bruder George Edward Kessler (1862–1923) waren deutsche Einwanderer, die unter Hofgärtner Armin von Sckell und Garteninspektor Julius Hartwig an einer Privatschule für Landschaftsgärtnerei im Schloss Belvedere in Weimar Botanik, Forstwirtschaft und Gestaltung studiert hatten.15 Olmsted half den Kesslers 1882 im Anschluss an ihre Korrespondenz – Olmsted hatte nicht weniger als acht Briefe von den Geschwistern erhalten – beim Start ihrer Karriere. Ihr erstes amerikanisches Projekt war die Schaffung eines Parksystems für Kansas City im Jahr 1893 – sieben Jahre bevor das Fach Landschaftsarchitektur überhaupt zum ersten Mal in den USA unterrichtet wurde (1900 in Harvard). Ihre formale Ausbildung in Weimar hob sie von anderen Vertretern dieses neuen Berufs in den Vereinigten Staaten ab, was ihnen kontinuierlich Projektaufträge einbrachte bis hin zur Weltausstellung in St. Louis im Jahr 1904.

Das Cincinnati-Projekt planten sie zusammen mit Eda Augusta Sutermeister, einer anderen amerikanischen Landschaftsarchitektin, deren Initialen E.A.S. sich auf einem 1907 entstandenen Plan mit der Aufschrift «System of Parks and Parkways» finden. Die lebhaft grüne Territorialfigur dieser Zeichnung, die zu den schönsten im ganzen Genre der Parksysteme gehört, bildet die komplexe Verbindung ökologischer Korridore und eine für die schönen Künste typische Axialität ab. Auch die historische Luftansicht, ebenfalls aus dem Jahr 1907, ist atemberaubend, und man kann nur hoffen, dass das farbige Originalgemälde eines Tages wieder auftauchen wird.

1907 – Plan für ein Parksystem in Cincinnati (F. A. L. Kessler, G. E. Kessler, E. A. Stutermeister) Die lebhaft grüne Territorialfigur dieser Zeichnung, die zu den schönsten im ganzen Genre der Parksysteme gehört, bildet die komplexe Verbindung ökologischer Korridore und eine für die schönen Künste typische Axialität ab. Sie trägt die Signatur von Eda Augusta Stutermeister, die das Projekt zusammen mit den Kesslers plante. © Library of Congress
1907 – Plan für ein Parksystem in Cincinnati, Luftansicht (F. A. L. Kessler, G. E. Kessler, H. Wright): Die Ansicht aus der Vogelperspektive, die von Henry Wright (1878–1936) angefertigt wurde, einem Mitarbeiter der Kesslers, der mit der Popularisierung und Errichtung von Gartenstädten und Grüngürteln eine bemerkenswerte Karriere machte, veranschaulicht die ortsabhängige, multidimensionale Konzeption des Parksystems von Cincinnati. © Library of Congress

Lausanne: Verborgene Flüsse

1723–1964 – Die Stadt Lausanne
Eine Folge von Archivbildern veranschaulicht den Prozess, bei dem die Flüsse in der Region schrittweise unter die Erde gelegt wurden. Im Plan von 1723 ist die wesentliche ökologische Ausstattung der Stadt dargestellt – die Flüsse sind nur von Brücken überspannt – mit der bemerkenswerten Ausnahme des Gebiets an der Kreuzung Rue de St. François, Rue du Pont und Rue du Pré. Die aussergewöhnliche Lithografie von Lausanne aus dem Jahr 1896, die die Territorialfigur ihrer noch weitgehend intakten ökologischen Ausstattung zeigt, ist eine Momentaufnahme der Stadt zur Zeit ihres industriellen Aufschwungs. Ein auf 1934 datierter Plan zeigt, dass der Fluss Flon bis zum Stadtteil Malley bereits vollständig bedeckt ist und nur noch sein kanalisiertes Delta einen offenen Wasserlauf bis zum Genfersee darstellt. Ein anderer Plan, der eigens für die Expo 64 angefertigt wurde, verwendet die Farbe Grün zur Markierung des Ausstellungsgeländes. Der grüne Korridor im Norden, der sich im ehemaligen Delta des Flon befindet, wurde zu dem, was man heute als das Vallée de la Jeunesse kennt, wo verschiedene Gärten, Kunstinstallationen und Kulturinstitutionen angesiedelt sind. Heute erschrecken viele Besucher, wenn sie erfahren, dass die Strasse, die sich über die gesamte Länge des Tals erstreckt, früher das Flussbett des Flon war, dessen letztes Stück man 1964 überbaute. Der Fluss wurde schon vor langer Zeit östlich seines natürlichen Verlaufs umgeleitet, bevor er im Norden in die Stadt fliesst.

1723 – «Plan de la Ville de Lausanne et de ses Fauxbourgs levé en l’année 1723» (V. Reber): Wie in der Legende beschrieben, ist die Zeichnung die Kopie einer heute nicht mehr erhaltenen Darstellung, die Victor Reber 1917 angefertigte. Im Plan ist die wesentliche ökologische Ausstattung der Stadt Lausanne offengelegt – die Flüsse sind nur von Brücken überspannt. © Archiv Ville de Lausanne
1896 – «Plan de la Ville et des Environs de Lausanne» (P. Reber): Diese zwei Meter hohe Fünffarblithografie, welche die Territorialfigur der noch weitgehend intakten ökologischen Ausstattung zeigt, ist eine Momentaufnahme der Stadt zur Zeit ihres industriellen Aufschwungs. Zwar war der Flon bereits damals verschmutzt, doch Initiativen, ihn zu überbauen, nahmen erst später Fahrt auf. © Archiv Ville de Lausanne
1934 – «Plan de Lausanne et Environs» (G. Thonney): Ein auf 1934 datierter Plan der Stadt Lausanne und ihrer Umgebung zeigt, dass der Fluss Flon bis zum Stadtteil Malley vollständig bedeckt war. In dieser Zeit stellte nur noch sein kanalisiertes Delta einen offenen Wasserlauf bis zum Genfersee dar. © Archives cantonales vaudoises
1964 – «Plan Schématique de l’Emplacement, Selon le Projet de Synthese du College d’Experts» (Swiss Expo 64 Committee): Eigens für die Expo 64 wurde ein Plan angefertigt, der die Farbe Grün zur Markierung des Ausstellungsgeländes verwendet. Der grüne Korridor im Norden, der sich im ehemaligen Delta des Flon befindet, wurde zum heutigen Vallée de la Jeunesse, wo verschiedene Gärten, Kunstinstallationen und Kulturinstitutionen angesiedelt sind. © Archives cantonales vaudoises

Genf: Eine regionale Vision

1936–1992 – Die Stadt Genf
Das von Albert Bodmer, dem damaligen Leiter der Stadtplanungsabteilung, und Maurice Braillard, dem Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes, für Genf entworfene Parksystem ist vielleicht die vollständigste Realisierung im Sinne von Frederick Law Olmsteds historischer Äusserung aus dem Jahr 1860. Darin schilderte er seine Ambition, dass Parksysteme «durchgehende Parks» sein sollen, wo «die Grosseltern das Enkelkind an die Hand nehmen», «ihre Familie auf dem Bauernhof besuchen» und dann «zusammen in die Wildnis und wieder zurückgehen können», ohne das Parksystem zu verlassen – und statuierte damit ein Exempel für die Planung von Parksystemen, von dem man noch heute viel lernen kann. Wie Arnold Hoechel 1929 in der Zeitung «La Suisse» schrieb, war ein Grossteil der städtischen Gemeinfläche, die historisch weitgehend auf Basis ihrer ökologischen Ausstattung bestimmt worden war, bereits parzellenweise verkauft worden, und er meinte:

Es ist notwendig, genau wie in den grossen amerikanischen Städten New York, Washington, Boston und so weiter (…), Pläne zur Schaffung [durchgehender] Parks zu erstellen, wo alle [vorhandenen Teilstücke] durch breite Streifen Land, die als
grasbewachsene Wege ausgebaut sind, miteinander verbunden werden. (…) In Genf haben wir jedoch das Urprinzip angewandt, indem wir unsere schönsten Parks durch die zu Wegen umgestalteten Quais mit dem Stadtzentrum verbunden haben. Dieses System sollte auf all unsere Parks – die bestehenden und die künftigen – ausgeweitet werden.

Albert Bodmer selbst schrieb 1933 während der Vorbereitung des Plans von 1936, dass er «die meisten Einzäunungen entfernen [würde] (…), weil die Promenade [nicht nur] ein geschlossener, für Freizeitaktivitäten reservierter Park ist, [sondern auch] der Weg des Geschäftsmannes aus der Stadt zu sich nach Hause als Teil seines Alltags. Durch die Schaffung von Wegen und Alleen kommt jedermann in den Genuss des Parks». Das Parksystem ist sowohl als städtisch wie auch als ländlich gekennzeichnet, mit drei Grüntönen von hell nach dunkel für «Nutzpflanzen, landwirtschaftliche Strukturen», «zu klassifizierende öffentliche Bereiche oder Standorte» und «zu erhaltende Wald- und Forstgebiete». Dabei wird Olmsteds regionale Vision von Parksystemen, die «ländlich», «städtisch» und «Wildnis» miteinander verbinden, genau berücksichtigt. Wie viele frühe Vorhaben wurde der Plan nur teilweise umgesetzt, sodass 1948, nach dem Zweiten Weltkrieg, ein überarbeitetes Programm in Zusammenarbeit mit einer Sonderkommission veröffentlicht wurde. Diese regionale Vision hat bis heute einen starken Einfluss auf Generationen von Planern ausgeübt.

Fast sechs Jahrzehnte nachdem Bodmer sein Parksystem erstmals vorgeschlagen hatte, wies Professor Alain Léveillé seine Studenten an der Universität Genf an, die Anlage direkt auf der damals aktuellen topografischen Karte neu zu zeichnen. Das Projekt sollte eine gemeinsame, generationenübergreifende Erfahrung für alle Genfer darstellen.

1936 – «Plan des Zones du Canton de Genève» (A. Bodmer, M. Braillard): Das von Albert Bodmer, dem damaligen Leiter der Stadtplanungsabteilung, und Maurice Braillard, dem Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes, entworfene Parksystem setzte ein Exempel für die Planung von Parksystemen, von dem heute noch viel gelernt werden kann. © Centre de Recherche sur la Rénovation urbaine (CRR) des Institut d’architecture de l’université de Genève (IAUG)
1948 – «Zones et Liaisons de Verdure, Genève Agglomération actuelle et future» (A. Bodmer): Nach dem Zweiten Weltkrieg überarbeitete Bodmer das Programm zusammen mit einer Sonderkommission, die einen Bericht erstellte, in dem diese Pläne nebeneinandergestellt wurden; sie zeigen, was bis dahin realisiert worden war und was noch fertiggestellt werden sollte. © Département des Travaux Publics Genève (DTP)
1992 – Bodmers Zonenplanung auf den bestehenden Plan der Stadt Genf übertragen (A. Léveillé): Fast sechs Jahrzehnte nach Planungsbeginn wies Professor Alain Léveillé seine Studenten an der Universität Genf (IAUG) an, Bodmers Parksystem direkt auf die damals aktuelle topografische Karte zu übertragen. Die entstandene Territorialfigur ist noch genauso radikal wie seinerzeit, und die Übung sollte in jeder Generation wiederholt werden. © Centre de Recherche sur la Rénovation urbaine (CRR) des Institut d’architecture de l’université de Genève (IAUG)

Madison: Vom Genfersee lernen

1909 – John Nolens Parksysteme in Wisconsin
Die Madison Park and Pleasure Drive Association war eine Bürgerorganisation, die erfolgreich die Interessen von Radfahrern, Autofreunden, Bootsclubs und Eisenbahngesellschaften aufeinander abstimmte.16 Sie engagierte John Nolen, Olmsteds Mitarbeiter und Dozent für Civic Design, für eine Zusammenarbeit, die in den im Bericht «Madison: A Model City» (1910) veröffentlichten Plänen für ein Parksystem resultierte.17Nolens Bestreben, die Eisenbahnlinien mit der Stadt in Einklang zu bringen, wird in einer Reihe von Vergleichen zwischen Madison und Genf, der Stadt, die ihr als Vorbild dienen sollte, anschaulich illustriert. Eines der ersten Vergleichsbilder zeigt die «Ankunft mit der East Madison Railroad: Erster Eindruck von Wisconsins Landeshauptstadt» sowie ein «Hotel am Genfersee in der Schweiz: Eine Situation, die an den Seen in Madison vielmals dupliziert werden könnte, wenn die Stadt nach einem eigenen Plan entwickelt würde». Eine ähnlich vergleichende Behandlung findet sich auch für die Ankunft in der Stadt vom Wasser aus, dokumentiert durch Bilder mit folgenden Legenden: «Ankunft in Madison auf dem Wasserweg mit dem East-Madison-Bahnhof der C., M. & St. Paul Railroad» sowie «Ankunft in Genf in der Schweiz auf dem Wasserweg: Vergleiche diese Darstellung mit den Ansichten auf der gegenüberliegenden Seite». Zu den Hauptorten, die Nolen für eine Sonderbehandlung in der Stadt empfiehlt, gehört das Seeufer am Ende der Südachse der Stadt, wo er die Monona Terrace vorschlägt – einen öffentlichen Platz für die Bürger, der seiner Meinung nach keinem geringeren Vorbild als den Gärten von Versailles nacheifern sollte. Nolens Modellstadt ist letztlich kein formales Modell, sondern ein Organisationsmodell. Die Folge von Referenzen macht die abschliessenden Bilder in Nolens 1910 verfasstem Bericht für Madison umso relevanter. Nach dem ausgedehnten Vergleich zwischen Wisconsin und der Schweiz ergibt es Sinn, dass Nolen den Plan der Stadt Genf zeigt, den er mit folgender Bildlegende versieht: «Die Stadt Genf ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für Madison. Man beachte die Organisation der Strassen, die Lage der öffentlichen Gebäude und Freiflächen sowie die öffentliche Nutzung des Seeufers.»18

Obwohl Genf, genau wie andere Städte am Genfersee, inzwischen viele ihrer ursprünglich öffentlichen Zugänge zum See verloren hat, war ihre fortschrittliche Geschichte doch ein lehrreiches Modell für Madison.

1910 – Vorschlag für einen Plan für Madison (J. Nolen): Der erste grössere öffentliche Park der Stadt verläuft rund um den Lake Wingra, ein Stück Wildnis, das bis ins Herz von Madison vordringt. Er wurde in Zusammenarbeit mit den Eisenbahnen erweitert, um Schleifen um die beiden grossen Seen – den Lake Monona im Süden und den Lake Mendota im Norden – in das Parksystem zu integrieren. © Cornell University Library Archives
1910 – «Madison: A Model City» (J. Nolen): In seinem Bericht veröffentlichte John Nolen, ein Mitarbeiter Olmsteds und Dozent für Civic Design, Pläne für ein Parksystem. Wie er die Eisenbahnlinien mit der Stadt in Einklang bringen wollte, illustrierte er in einer Reihe von Vergleichen zwischen Madison und Genf, der Stadt, deren Vorbild er seiner Meinung nach nacheifern sollte. © University of Michigan Library

Spring Green: Naturkultur

1947–1959 – Frank Lloyd Wrights Taliesin Valley
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Auszubildenden der Architekturschule in Taliesin Landwirtschaftsgebäude zu Wohnhäusern umbauten und das Farmland auf die Taliesin Fellowship überging, verpflichtete sich Frank Lloyd Wright, zum Wohle der Gemeinschaft einen Regionalentwicklungsplan mit Schnellstrassen und Parksystemen zu entwerfen. Das Tal, in dem Taliesin liegt, war bereits seit Generationen im Besitz seiner Vorfahren, der Familie Lloyd Jones.19 Mit diesem bislang unveröffentlichten Projekt setzte er sein Konzept für die Broadacre City sozusagen vor der eigenen Haustür um, und wir könnten behaupten, dass das Taliesin Valley einer gebauten Version dieses visionären Stadtkonzepts am nächsten kommt.

Wrights Erfahrungen mit den Parksystemen seiner umweltbewussten Freunde Jens Jensen und Dwight Perkins werden in einem Plan von 1947 offenkundig: Der grösste schraffierte Bereich der Darstellung trägt die Bezeichnung «Naturreservat: Nationaler oder staatlicher Tierartenschutz». Der Plan sieht durchgängige ökologische Pufferzonen entlang des Flusses vor, in denen einzelne Gebiete als Tieflandwald, Sumpfwald, Grasmoorland, Riedgrassumpf und Sandwatt bezeichnet sind. Dargestellt wird auch der Eisenbahnkorridor und wie sich eine Brücke über den Fluss zu den vorgeschlagenen Schmetterlingsbrücken verhält, die östlich und westlich von Spring Green errichtet werden sollten20 Schliesslich erhält das kompakte Netz von Spring Green eine Parkerweiterung, die eine direkte Verbindung mit dem Fluss herstellt. Auch an die bestehenden Eisenbahn- und die geänderten Schnellstrassenkorridore schliessen sich geplante Erweiterungen existierender Parks an. Das Ergebnis ist ein überraschend informelles Parksystem, das sich durch räumliche Kontinuität und ökologische Geschlossenheit auszeichnet.

Wrights Engagement für die Gemeinde machte dieses Projekt so überzeugend. Das zeigt auch die Folge von Ausführungsplänen für eine Farm sowie eine Reihe von Civic-Design-Projekten, die er in Angriff nahm und die erst an Geschwindigkeit gewannen, als er sich seinem Lebensende näherte. Diese ehrenamtlichen Initiativen wurden immer wieder von privaten und öffentlichen Aufträgen unterbrochen, was Wright dazu veranlasste, eine eher flexible und pragmatische Haltung gegenüber seinen Vorhaben einzunehmen. Gleichzeitig verfolgte er eine langfristige, dem Gemeinwohl dienliche Vision für sein Heimattal. Die Liste der Projekte, die er in den letzten beiden Jahren seines Lebens für seine Gemeinde Spring Green entwickelte, würde ein klares Programm für jeden Civic Designer abgeben: eine Schule, ein Postamt, ein Krankenhaus, ein Gemeindezentrum und ein öffentlicher Park.

1947 – Regionalentwicklung mit Schnellstrassen und Parksystemen (F. L. Wright): Diese ist wohl die raffinierteste Zeichnung aus einer Serie von elf Variationen (im Lauf dieser Untersuchung wurden noch weitere im Archiv gefunden) mit vielen der wichtigsten Gestaltungsprinzipien und Beschreibungen. © Taliesin Preservation / Frank Lloyd Wright Foundation (das Foto wurde freundlicherweise von Kyle Dockery, Sammlungskoordinator, zur Verfügung gestellt)
1947 – Parksysteme für das Taliesin Valley (F. L. Wright): Das als Stellschirm konzipierte, gemalte Wandbild hing viele Jahre lang im öffentlichen Foyer des Hillside Theater in Taliesin und wurde erst jüngst als Darstellung eines Projekts identifiziert – unter anderem auch weil es falsch herum angebracht war. © Taliesin Preservation / Frank Lloyd Wright Foundation (das Foto wurde freundlicherweise von Kyle Dockery, Sammlungskoordinator, zur Verfügung gestellt)

Los Angeles: Zukünftige Systeme

1963 – Lloyd Wrights regionales Parksystem
Der Landschaftsarchitekt Frank Lloyd Wright Junior (1890–1978) war der erstgeborene Sohn des berühmten Architekten. Er zog es vor, Lloyd Wright genannt zu werden, und ein Grossteil der Literatur über ihn untersucht verständlicherweise die zwangsläufig komplexe Beziehung zu seinem Vater. Die Folge von Entwürfen zum Civic Design und zu Parksystemen in der Region Los Angeles stellt einen einzigartigen Beitrag zu dieser Chronologie dar und unterstreicht den generationenübergreifenden Charakter des gemeinschaftlichen Engagements für die Gestaltung und Ausführung von Parksystemen.

Das Parksystem, das Wright 1963 für Los Angeles entwarf, war sein finaler Regionalplan für die Stadt. Zuvor hatte er an drei anderen mitgearbeitet: zuerst an einem Plan mit The Olmsted Firm in den 1920er- bis 1930er-Jahren und dann an zwei anderen in den 1940er-Jahren. Seinem Sohn Eric zufolge zeigt das Vorhaben sein anhaltendes Interesse am Naturschutz sowie seine wachsende Begeisterung für fortschrittliche Technologien und Transportmittel. Der Plan, der Space X nicht weniger als fünf Jahrzehnte vorwegnimmt, umfasst auch etliche Raumhäfen. Im Begleittext setzte sich Lloyd Wright für die Erhaltung des einzigartigen natürlichen Charakters der Region ein und erläuterte, dass Das Parksystem, das Wright 1963 für Los Angeles entwarf, war sein finaler Regionalplan für die Stadt. Zuvor hatte er an drei anderen mitgearbeitet: zuerst an einem Plan mit The Olmsted Firm in den 1920er- bis 1930er-Jahren und dann an zwei anderen in den 1940er-Jahren. Seinem Sohn Eric zufolge zeigt das Vorhaben sein anhaltendes Interesse am Naturschutz sowie seine wachsende Begeisterung für fortschrittliche Technologien und Transportmittel. Der Plan, der Space X nicht weniger als fünf Jahrzehnte vorwegnimmt, umfasst auch etliche Raumhäfen. Im Begleittext setzte sich Lloyd Wright für die Erhaltung des einzigartigen natürlichen Charakters der Region ein und erläuterte, dass dieser Plan unter anderem «die Arbeit erleichtern und die ethnische Integration durch Automatisierung fördern, die Kriegsproduktion in menschliche Dienstleistungen umwandeln und architektonische Schönheit und Noblesse erzeugen» würde.21Die Form der Territorialfigur schafft es mit zwei konzentrischen Kreisen und einem asymmetrischen Kreuz, die meisten bestehenden, sehr heterogenen Stadtviertel zu treffen. Die ökologischen Korridore fädeln sich zwischen die Quartiere ein und binden sie zu einer Form zusammen, die der Natur auf halbem Weg entgegenkommt.

Lloyd hatte 1977, ein Jahr vor seinem Tod, die Schrift «New Culture and Urban Ecology» verfasst, in der er die Vorrangstellung, welche die technische Entwicklung zu seinen Lebzeiten eingenommen hatte, kritisch betrachtet. Er erhebt insbesondere Einwände gegen die Unternehmenskultur von Firmen wie IBM und Honeywell, deren Verbindungen zur Militärindustrie bekannt waren, und tritt dafür ein, ökologischen und kulturellen Initiativen die gleiche Priorität einzuräumen.22 Diese Werte zeigen sich ganz klar an Lloyd Wrights regionalem Parksystem für Los Angeles – einem Projekt, das im Alleingang die Vereinbarkeit und die Denkweisen der ökologischen Bedeutung von Olmsteds Parksystemen, der soziologischen Einsichten von Patrick Geddes’ Regionalplanungsmodell Talabschnitt sowie der architektonischen und kulturellen Ambitionen von Frank Lloyd Wrights Broadacre City demonstriert.

1963 – Regionaler Stadtplan für Los Angeles (L. Wright): Dieser Entwurf war Lloyd Wrights endgültiger Regionalplan für Los Angeles, nachdem er zuvor in drei andere mit dem Planungsbüro The Olmsted Firm involviert gewesen war. Der Plan sieht viele Mobilitätsarten vor und umfasst auch mehrere Raumhäfen, die Space X um mindestens fünf Jahrzehnte vorwegnehmen. © UCLA Lloyd Wright Archives
1963 – Regionaler Stadtplan für Los Angeles (L. Wright). Der Plan ist besonders anrührend, weil die darauf aufgeklebte Zeichnung eine der originalen Hausbootskizzen von Lloyd Wrights Vater Frank Lloyd Wright ist, die dieser 1922 für ein gemeinsames Projekt am Lake Tahoe angefertigt hatte. Dieses Detail legt nahe, dass der Entwurf auch eine Hommage des Sohnes an den Vater war. © UCLA Lloyd Wright Archive

Quellenverzeichnis

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  5. Louise Wickham, John Claudius Loudon – Father of the English Garden, in: Parks and Gardens UK, 2007.
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  14. Jean Claude Nicolas Forestier, Grandes Villes et Systèmes de Parcs, 1. Aufl., Paris 1906. Neuausgabe des Buches mit einem kritischen Kommentar in: Jean Claude Nicolas Forestier et al., Grandes villes et systèmes de parcs: suivi de deux mémoires sur les villes impériales du Maroc et sur Buenos Aires, Paris 1997.
  15. Kurt Culbertson, George Edward Kessler: Landscape Architect of the American Renaissance, in: Midwestern Landscape Architecture, hrsg. von William H. Tishler, Urbana 2000, S. 99–116, hier: S. 100.
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  19. Bruce Brooks Pfeiffer, Frank Lloyd Wright: Complete Works, Bd. 1: 1885–1916, hrsg. von Peter Gossel, Köln 2011, S. 119.
  20. Frank Lloyd Wright, The Butterfly Wing Bridge, in: The Architectural Forum, S. 88, Januar 1948.
  21. Alan Weintraub, Lloyd Wright, New York 1998, S. 266.
  22. Lloyd Wright Papers, 1920–1978, UCLA Library Special Collections, letzter Zugriff am 10. November 2017: oac.cdlib.org/findaid/13030/tf0290036p/entire_text

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